
Disneys „Schneewittchen“ ist ein Kassenflop
Die Stimmung auf dem Disney-Gelände war am Sonntag gedrückt, da der mit Spannung erwartete Kinostart von „ Schneewittchen“ auf dem heimischen Markt enttäuschenderweise nur 43 Millionen Dollar einspielte. Weltweit waren die Erwartungen an die Realverfilmung des beliebten Klassikers von 1937 hoch, doch letztendlich erreichte sie weltweit nur 87, 3 Millionen Dollar. Die endgültigen Zahlen werden später heute veröffentlicht.
Während diese Summen für einen Film mit einer weiblichen Hauptrolle akzeptabel erscheinen, besteht bei „Schneewittchen“ die Gefahr, als Flop abgestempelt zu werden, da die Produktionskosten sich auf sage und schreibe 270 Millionen Dollar belaufen und die geschätzten Marketingkosten 100 Millionen Dollar übersteigen.
Harter Weg für Schneewittchen
Angesichts der anfänglichen Ticketverkäufe und unterschiedlicher Publikumsreaktionen prognostizieren Branchenexperten, dass „Schneewittchen“ weltweit kaum 300 bis 400 Millionen Dollar einspielen dürfte – und damit deutlich unter der kritischen Marke von 500 Millionen Dollar liegen würde. Dies erinnert an den Film „Dumbo“ aus dem Jahr 2019, der im Inland 45 Millionen Dollar einspielte, weltweit aber nur 353 Millionen Dollar einspielte – bei einem Budget von 170 Millionen Dollar.
Disneys treue Anhänger argumentieren, dass sie mit ihrer Erfolgsbilanz durchaus in der Lage seien, das Schicksal von „Schneewittchen “ zu wenden. So wurde beispielsweise „Mufasa: Der König der Löwen“ in der Weihnachtszeit 2024 von vielen Medien voreilig abgetan. Der Film startete mit 35, 4 Millionen Dollar, erreichte aber letztlich weltweit fast 718 Millionen Dollar. Auch „Elemental“ erzielte nach der Veröffentlichung einen bemerkenswerten Erfolg mit einer deutlichen Publikumsverschiebung und wurde zu einem Phänomen auf Streaming-Plattformen.
Bewertungsergebnisse und Publikumsstimmung
Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass diese erfolgreichen Filme weder durch glanzlose Kritiken noch durch mittelmäßige Zuschauerbewertungen beeinträchtigt wurden.„Schneewittchen“ erreichte auf CinemaScore nur selten die Note 2+, was in krassem Gegensatz zu den A-Bewertungen steht, die seine Disney-Realfilm-Vorgänger typischerweise erhielten.
Der Film sorgte auch wegen seiner Hauptdarstellerin Rachel Zegler für Kontroversen, die ihre Ansichten offen kundtat und sogar Donald Trumps politische Bewegung thematisierte. Dies führte dazu, dass einige den Film als „Snow Woke“ bezeichneten, was nach Zeglers Äußerungen zur Einwanderungspolitik eine Kampagne rechtsextremer Gruppen auslöste, die Trailer ablehnten und den Film boykottierten. Obwohl sie sich später für ihre Äußerungen entschuldigte, blieb die Kontroverse nicht unbemerkt.
Dennoch deuten die Daten darauf hin, dass der durchschnittliche Zuschauer möglicherweise nicht so stark von diesen politischen Narrativen beeinflusst wird, wie die sozialen Medien vermuten lassen.
Ticketverkauf über politische Grenzen hinweg
Eine aktuelle Umfrage von Steve Bucks Marktforschungsunternehmen EnTelligence zeigt, dass 63 % der Ticketverkäufe für Familien- und Animationsfilme typischerweise aus den republikanischen Bundesstaaten stammen, während 37 % aus den republikanischen Bundesstaaten stammen. Interessanterweise zeigte „Schneewittchen“ einen ungewöhnlichen Trend: 40 % der Ticketverkäufe kamen aus den republikanischen Bundesstaaten.
Normalerweise generieren die konservativen Bundesstaaten 67 % der Ticketverkäufe, bei „ Schneewittchen“ waren es jedoch nur 60 %, da die konservativen Bundesstaaten immerhin 40 % des Publikums stellten. Steve Buck, Gründer von EnTelligence, erklärte: „Trotz der Bedenken hinsichtlich Boykotts in konservativen Gegenden vor der Veröffentlichung gibt es keine Hinweise darauf, dass es zu nennenswerten Auswirkungen auf die Ticketverkäufe gekommen wäre.“
Obwohl der Film insgesamt nur die Kinowertung B+ erhielt, schnitt er bei weiblichen Zuschauern und unter 18-Jährigen mit der Note A- besonders gut ab. Von PostTrack befragte Eltern und Kinder bewerteten den Film mit vier von fünf Sternen, während das allgemeine Publikum ihn nur mit drei Sternen bewertete. Allerdings gab nur die Hälfte der befragten Kinder an, „ Schneewittchen“ ihren Freunden weiterempfehlen zu wollen.
Faktoren, die die Produktionskosten beeinflussen
Das Budget für „Schneewittchen“ stieg aufgrund verschiedener Faktoren, darunter strenge COVID-19-Protokolle, Streiks im Jahr 2023 und ein Brand am Set. Berichten zufolge lag das Budget des Films zunächst bei 200 bis 210 Millionen Dollar. Auch kreative Aspekte machten zusätzliche Ausgaben erforderlich. Darüber hinaus wurde „Schneewittchen“ unter der früheren Leitung von Disneys Realfilmabteilung entwickelt, die inzwischen unter David Greenbaum umstrukturiert wurde, der sich seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr für Änderungen einsetzt.
Die sich verändernde Landschaft der Märchenadaptionen
Seit Disneys Versuch, eine Realverfilmung von „Schneewittchen“ zu produzieren, hat sich die Kinolandschaft stark verändert. Was einst eine sichere Wahl schien – analog zum Erfolg früherer Realverfilmungen von Prinzessinnen – ist prekärer geworden. Zum Vergleich: „ Die Schöne und das Biest“ startete am Eröffnungswochenende im März 2017 mit beeindruckenden 174, 6 Millionen Dollar (inflationsbereinigt).„Cinderella“ startete 2015 mit 67, 9 Millionen Dollar, „Maleficent“ 2014 mit 69 Millionen Dollar, die Fortsetzung blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Laut Paul Dergarabedian, Chef-Kinoanalyst bei Comscore, hatte „Schneewittchen“ angesichts seines enormen Budgets keinen ermutigenden Start. Er betonte, dass der Weg zur Profitabilität maßgeblich davon abhängen werde, wie gut der Film das langfristige Publikumsinteresse in den Kinos aufrechterhalten könne, sowie von potenziellen Einnahmen aus Streaming, Merchandising, Musik und der Einbindung in Themenparks.
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