
Doppelrollen im Film neu denken: Ein Blick auf die Alto Knights
Schauspieler übernehmen in Filmen oft aus verschiedenen zwingenden Gründen mehrere Rollen. Zwillinge oder Klone sind gängige Beispiele, und manchmal erfordern unkonventionelle Erzählungen, wie Peter Sellers‘ Darstellung in Dr. Seltsam, solche Kreativität. Die Entscheidung, Robert De Niro in Barry Levinsons neuestem Film „ The Alto Knights“ sowohl als Frank Costello als auch als Vito Genovese zu besetzen, wirkt jedoch eher wie ein Gimmick als wie eine Notwendigkeit. Der Film erinnert oft an die Patty Duke Show, allerdings mit einer deutlich düstereren Wendung, da es um Gangster statt um eineiige Cousins geht.
Wiederverwendete Themen und bekannte Gesichter
Zuschauer könnten in „The Alto Knights“ Erinnerungen an vergangene Kinoprojekte finden. Mit seiner Tradition, die ihn mit prominenten Filmen und Schauspielern verbindet, wirkt Levinsons Projekt eher wie ein nostalgischer Spaziergang in die Vergangenheit als wie eine innovative Erzählung. Der Originaltitel „ Wise Guys“ ist eine klare Anspielung auf die bekannten Themen. Obwohl diese Vertrautheit nicht unbedingt auf einen schlechten Film schließen lässt, trägt sie unbestreitbar zu einem Gefühl der Redundanz bei. Es ist jedoch ermutigend zu sehen, dass viele ehemalige Sopranos- Darsteller immer noch aktiv Rollen in der Branche finden.
Ein erschöpfendes Drehbuch ohne Engagement
Das Drehbuch von Nicholas Pileggi – bekannt für seine Arbeiten an „Good Fellas“ und „Casino“ – hat das Potenzial, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Die Erzählung taucht tief in die turbulente Beziehung zwischen den Gangstern Frank Costello und Vito Genovese ein, tut sich aber schwer, ihre Bedeutung voll zur Geltung zu bringen. Durch Costellos Erzählung präsentiert, wirkt der Film oft wie ein zielloser Monolog, ähnlich den Geschichten, die Ihr Großvater bei einem Besuch in Florida erzählen könnte.
Charakterdynamik: Eine Studie der Kontraste
Der Film porträtiert Costello als kultivierten Mann, der seine kriminellen Machenschaften geschickt hinter einer Fassade aus Wohltätigkeit und Ehrwürdigkeit verbirgt. Genovese hingegen wird als brutaler Charakter dargestellt, der seine Konflikte mit Gewalt löst. Die Handlung beginnt mit einem Attentat auf Costello durch den aufstrebenden Mafiaboss Vincent „The Chin“ Gigante, der als etwas unbeholfen dargestellt wird. Wie durch ein Wunder überlebt Costello diese Schießerei aus nächster Nähe. Sein Weg führt ihn durch die tückische Welt des organisierten Verbrechens und gleichzeitig um sein Überleben.
Historisches Filmmaterial als Kontext verwenden
Der Film enthält zahlreiche Archivaufnahmen und historische Fotografien, die die Handlung bereichern, aber auch ihr Tempo drosseln. Wichtige Beziehungen, wie die zwischen Costello und seiner besorgten Frau Bobbie (Debra Messing in einer ungewöhnlichen dramatischen Rolle) und Genoveses turbulenter Ehe mit Anna (Kathrine Narducci), werden vor dem Hintergrund des organisierten Verbrechens dargestellt.
Bemerkenswerte Handlungsentwicklungen
Wichtige Handlungsstränge umfassen Costellos kühne Aussage während der Kefauver-Anhörungen – in denen er den fünften Verfassungszusatz kontrovers ablehnt – und den gewaltsamen Tod seines Verbündeten Albert Anastasia (Michael Rispoli).Darüber hinaus zeigt der Film einen berüchtigten Mafia-Gipfel im Norden des Bundesstaats New York, der abrupt endete, als die misstrauische Polizei begann, den Zustrom von Luxusautos zu untersuchen. Dieser Vorfall deutet auf Costellos manipulative Strategien hin, seine Rivalen zu unterminieren, und verdeutlicht die Vielschichtigkeit der Mafiapolitik.
Eine überladene Erzählung
Obwohl der Film ambitioniert ist, wirkt er letztlich überladen und lässt die dynamische Energie vermissen, die Martin Scorsese Mafiadramen typischerweise verleiht. Er trägt die Merkmale einer für das Kino ungeschickt gekürzten Fernsehminiserie. So unterbricht beispielsweise ein längerer Exkurs über die Ursprünge des Mormonismus den Filmfluss, während Levinson stilistische Entscheidungen trifft, wie die Gegenüberstellung einer Mordszene mit Ausschnitten aus dem Klassiker „ White Heat“, die eher aufgesetzt als aufschlussreich wirken können.
De Niros Doppelauftritte: Ein zweischneidiges Schwert
Das am meisten gepriesene Merkmal des Films – De Niros Darstellung der beiden Hauptfiguren – schmälert letztlich seine Ernsthaftigkeit. Obwohl De Niro Costello und Genovese durch Stimmlage, Make-up und körperliche Verwandlungen wirkungsvoll voneinander abgrenzt, wirkt die Doppelrolle wie ein Gimmick. Dieser Fehltritt untergräbt die beabsichtigte Ernsthaftigkeit des Films und führt dazu, dass sich „ The Alto Knights“ wie eine Fußnote in Levinsons und De Niros glanzvollen Karrieren anfühlt.
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